Problem versus Aufgabe
Vielleicht ist es auch sehr aufschlußreich, wie sich ein Problem von einer Aufgabe
unterscheidet. In Tabelle 1 habe ich dazu eine vergleichende Übersicht dargestellt.
Sie bezieht sich vor allem auf die von Dörner (1976) gemachten Vergleiche zwischen
Aufgabe und Problem.
Tabelle 1: Aufgabe versus Problem
| Merkmale |
Aufgabe |
Problem |
| Anfangszustand |
unerwünscht |
unerwünscht |
| Endzustand |
erwünscht |
erwünscht |
| Methode |
vorhanden |
keine |
Ein Problem ist also demzufolge durch einen unerwünschten Anfangszustand, einem
erwünschten Endzustand und - wodurch sich ein Problem von einer Aufgabe
unterscheidet - dem Nicht-Vorhandensein einer Methode gekennzeichnet. Dörner
(1976) bezeichnet das Nicht-Vorhandensein einer Methode als Barriere, "die
die Umwanldung des Anfangszustandes in den Endzustand verhindert und ... zu
deren Überwindung noch keine Methode vorhanden ist." Ferner meint er, daß die
meisten Probleme nur dadurch gekennzeichnet sind, "daß allenfalls bestimmte
Kriterien für den Zielzustand bekannt sind." Diese Kriterien werden auch als
Vergleichs- bzw. Komperativkriterien bezeichnet. Er meint damit, daß man
eventuell nur eine etwaige Vorstellung davon besitzt, wie die Lösung des
Problems aussehen wird. Vergleichend als Beispiel, um dies zu verdeutlichen,
soll das Überschlagsrechnen in der Mathematik gelten, wo man auch
Näherungslösungen - also Komperativlösungen - erhält.
Im Unterschied zu Problemen sind Aufgaben gelöste Probleme, denn für die
Lösung von Aufgaben sind bereits Lösungen, Methoden bzw. Zielerreichungsstrategien
vorhanden. Zur Lösung einer Aufgabe ist deshalb nur reproduktives und nicht
neuartiges Denken erforderlich. Ob nun also ein Individuum vor einem Problem
oder einer Aufgabe steht, hängt ganz allein von seinen Erfahrungen ab.
Deklaratives versus Prozedurales Wissen
Ein weiterer Punkt, der beachtung verlangt, ist der, daß zum Problemlösen
Wissen vorhanden sein muß. Bei der Art von Wissen werden
zum einen deklaratives und zum anderen prozedurales Wissen unterschieden,
welches im Verlaufe der Entwicklung eines Individuums von ihm
angeeignet wurde bzw. wird. Deklaratives Wissen ist das Wissen
über Tatsachen und Dinge. Prozedurales Wissen ist dagegen
Wissen über die Art und Weise, wie verschiedene kognitive
Handlungen ausgeführt werden müssen, d.h. Wissen, welches
dem Problemlöser ermöglicht bereits vorher gelöste
Probleme mit denen neuer Probleme zu vergleichen und daraus neue
Lösungswege zu entwickeln (Anderson, 1988). |